The Illusion
Oktober 12, 2018
Wie ist ein VisionWorks Workshop aufgebaut?
Oktober 12, 2018
Zeige alles

Illusion

Als ich letztens auf dem Weg von China nach Hause war, stieg ich in Hongkong um, und wie es an großen Knotenpunkten so ist, ging es auf dem Flughafen äußerst geschäftig zu. Ich erlebte ein reges Treiben von Menschen aus allen Erdteilen, und es war mir eine Freude, mich zurückzulehnen und die Vielzahl der unterschiedlich gekleideten und der verschieden sprechenden Menschen in mich aufzunehmen. Nach einer Weile tauchte in mir die Erkenntnis auf, dass wir hinter unseren verschiedenen Fassaden alle gleich sind. Jenseits unserer Glaubenssätze gehen wir alle aus demselben Ursprung hervor und verlassen diese Welt auch auf gleiche Weise wieder.

Jeder von uns hat seine ganz eigenen Entscheidungen bezüglich des Geschlechts, des Körpers und des Lebensweges getroffen, und dennoch gleichen wir uns alle. In mir erwecken diese einzigartigen Entscheidungen eine unendliche Neugier, und es macht mir Freude, Menschen zu betrachten.

Wenn wir hingegen annehmen, dass wir nicht miteinander verbunden, sondern grundlegend verschieden sind, glauben wir an die Trennung – und Trennung macht Angst. Mit dieser Angst beginnt ein Teufelskreislauf. Unser Verstand erzählt uns, dass unsere Angst daher kommt, dass wir der Ursache unserer Angst zu nahe sind und uns folglich von dieser entfernen sollten, um mehr Sicherheit zu gewinnen. Da wir sehr kreativ sind, können wir aus einer Vielzahl verschiedener Trennungsmöglichkeiten auswählen. Gewöhnlicherweise beginnen wir damit, denjenigen, von dem wir Abstand gewinnen wollen, ins Unrecht zu setzen bzw. das, wovon wir uns distanzieren wollen in ein schlechtes Licht zu rücken. Anschließend ‚mauern‘ wir uns dann ein: wir halten uns andere Menschen und mitunter sogar die ganze Welt ‚vom Hals‘, und dennoch fühlen wir uns nicht sicherer. Das liegt daran, dass die Angst erst durch jene Distanz und durch jene Trennung entstanden ist, die wir selbst erzeugt haben. Unsere Angst ist das Ergebnis unserer Trennung.

Der Kern eines jeden Problems ist immer irgendeine Art der Trennung bzw. der Irrglaube, dass Distanz Sicherheit für uns bedeutet. Um unsere Probleme aller Art (in der Familie, in der Firma und sogar in der Welt) effektiv lösen zu können, gilt es als Erstes, die Trennung aufzuheben. Das gelingt, indem wir fähig werden, uns in andere hineinzuversetzen und einander näherzukommen. Die Angst vor der Nähe kommt immer dann auf, wenn wir einander nicht nah sind. Aus der Distanz gibt es unzählige Gründe dafür, diese weiterhin zu wahren. Doch jene, die den Mut hatten, sich auf einander einzulassen und die Distanz überwunden haben, entscheiden sich immer wieder für die Nähe.

In unserem Leben gibt es viele Möglichkeiten, uns nah zu sein, und es reicht, wenn wir klein beginnen, zum Beispiel mit den Menschen, die uns bereits am Nächsten sind, damit unser Mut zunimmt, und wir im Endeffekt mit Vielen und Vielem eine Herzensverbindung eingehen können.

Die Welt sehnt sich nach Nähe. Sie sehnt sich danach ‚Mauern einzureißen‘ und hinter der Unterschiedlichkeit nicht die Angst, sondern die Ähnlichkeiten zu entdecken. Mir hilft es immer, dass ich mich daran erinnere, dass ich nie im Recht bin, wenn ich andere in ihrer Unterschiedlichkeit ablehne. Denn wie könnte ich damit im Recht sein und gleichzeitig glauben, dass wir alle gleich sind? Es ist an der Zeit, sich zu entscheiden.

With love