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Es geht nicht nur um die Gegenwart

Häufig rufen die Verhaltensweisen anderer Menschen bzw. die Situationen, in denen wir uns wiederfinden, Reaktionen in uns hervor. Wenn diese Reaktionen heftig sind, verhalten wir uns meistens offensiv, machen die anderen für unser Unbehagen verantwortlich und greifen sie an. Das ruft typischerweise einen Machtkampf hervor, und wir streiten. Vielleicht befindet sich der eigentliche Konflikt inkl. dem Groll aus der Vergangenheit nicht an der Oberfläche, doch die gegenwärtige Explosionsgefahr ist hoch. Zwischendurch leben wir auch friedlich, doch wenn die nächste ‚Ruhestörung‘ auftritt………Rumms! 

In dieser Dynamik verfangen sich viele Paare, Familien und sogar Länder. Selbst dann, wenn es die Bereitschaft gibt, den Streit zu beenden, gelingt dies im Endeffekt nicht. Der Grund dafür ist einfach – wir versuchen in der Gegenwart zu verändern, was aus der Vergangenheit stammt. 

Wenn wir aufgebracht sind, liegt der Grund dafür nur zu 2% in den gegenwärtigen Ereignissen. Der Rest ist eine Wiederholung aus der Vergangenheit, gewöhnlicherweise aus einer Zeit, in der wir noch klein waren. Wenn Ereignisse aus unserer frühen Kindheit unverstanden bleiben und nicht geheilt werden, bilden sich Muster heraus, Dynamiken, die sich fortwährend wiederholen und uns immer auf dieselbe Art und Weise reagieren lassen. Die gegenwärtige Situation findet im Vergleich zur Vergangenheit an einem anderen Ort und mit anderen Menschen statt, aber die zugrundeliegende Dynamik, die Art der ‚Geschichte‘ ist dieselbe; und wenn unsere gegenwärtige Reaktion aus Streit und Schuldzuweisungen besteht, fügen wir der alten Geschichte, die sich dadurch immer erneut wiederholt, ein weiteres Kapitel hinzu. 

Wenn wir mitten in unseren großen Emotionen stecken, fällt es uns schwer, uns daran zu erinnern, dass 98% unseres gegenwärtigen Gefühls aus unserer Vergangenheit herrühren. Scheinbar dreht sich alles um die Gegenwart – und dennoch stimmt es nicht. Wenn wir diese alte Sichtweise nicht aufgeben, wird uns unsere Vergangenheit mit all unseren alten Verhaltensweisen immer wieder einholen – egal, wie sehr wir uns anderweitig bemühen. 

Vielen Menschen fällt es schwer, dieses Konzept zu akzeptieren und sie sagen, dass sie sich an ihre Kindheit nicht erinnern können, oder sie verleugnen die Verstimmungen in ihrer Vergangenheit. Gewöhnlicherweise wird ihr Leben davon bestimmt, dass sich bestimmte Muster unaufhörlich wiederholen. 

Andererseits halten wir oftmals nicht viel von unserer Kreativität. Es fällt uns schwer zu verstehen, dass wir auf unbewusste Art und Weise dazu beigetragen haben unser Leben und unsere Mitmenschen genau so zu arrangieren, wie wir sie jetzt nicht haben wollen. 

Weshalb wiederholen sich diese Dynamiken? 

Hauptsächlich dafür, dass sie uns bewusstwerden, und wir eine weitere Möglichkeit erhalten, alten Schmerz aufzulösen und zu heilen. Wir erhalten eine weitere Chance, die Dynamiken zu transformieren, sodass wir in unserem Leben mehr Raum für die Liebe und das Glücklichsein haben. 

Wir können natürlich weiterhin darauf bestehen, dass unsere momentane Verstimmung nur mit den gegenwärtigen Ereignissen zu tun hat, doch was haben wir von unserem Rechthaben? Wenn es unser Ansatz ist, ein liebevolles und glückliches Leben bzw. eine liebevolle und glückliche Ehe zu führen, dann wird all das, was in uns nicht liebevoll und glücklich ist, an die Oberfläche kommen, damit wir es 

transformieren können. Es ist unsere tägliche Entscheidung, ob wir rechthaben oder glücklich sein wollen, ob wir lieben oder kontrollieren wollen. 

Diese Prinzipien treffen sowohl auf der persönlichen Ebene (in unseren Beziehungen) als auch auf der nationalen Ebene zu. In Großbritannien erleben wir zurzeit die Polarisierung von Menschen, die in ihren unterschiedlichen Glaubenssätzen recht haben wollen. Wenn wir akzeptieren, dass wir nur vorankommen, wenn beide Seiten zusammenkommen, verstehen wir vielleicht, dass sich der Zustand zunächst eher verschlimmert, bevor er besser wird. 

Es ist wichtig, dass wir in einem Machtkampf niemals Partei ergreifen und meinen, dass die eine Seite recht und die andere Seite unrecht hat. Das Parteiergreifen mag eine scheinbare Lösung sein, aber es begräbt lediglich einen Streit, der in der Zukunft erneut aufbrechen wird. Wenn wir uns den Groll, die Schuldzuweisungen und die rechthaberischen Einstellungen beider Seiten anhören, können wir die tiefen Emotionen des Verletzt-Seins, der Hilflosigkeit und des Nicht-gehört-werdens lediglich erahnen. 

Es geht nicht nur um die Gegenwart! Es wäre richtiger zu sagen, dass all die beiseitegeschobenen Emotionen aus der Vergangenheit durch gegenwärtige Auslöser wiederauftauchen. Das geschieht in der Hoffnung, dass wir dieses Mal bewusster sind und verantworten, unseren Groll aufzulösen und unsere persönliche Heilung anzugehen – wohl wissend, dass wir nie nur allein heil werden, wenn wir heilen und dass wir durch unser Heilen die Energie für einen Neuanfang mehren. 

Wenn wir Frieden und Erfolg leben wollen, ist es notwendig, den Versuchungen zu streiten, rechtzuhaben und zu polarisieren zu widerstehen. Unser innerer Frieden und unser Erfolg hängen davon ab, dass wir es schaffen, mit unserer Vergangenheit im Frieden zu sein und gegenüber unserem Wachstum und unserer Reife eine leichtere Einstellung zu entwickeln – unseretwegen und zum Wohle der Menschheit. 

Alles Liebe,